US-Musiker trifft nach 40 Jahren Dilsberger Musikerfreunde

US-Musiker trifft nach
40 Jahren
Dilsberger Musikerfreunde

Besuch von Fred McCall weckt Erinnerungen
und vertieft Freundschaft

31. Juli 2010

Emotionen weckte der Besuch des amerikanischen Musikers Fred McCall (3.v.l.) bei seinen ehemaligen Kollegen auf dem Dilsberg. In den Jahren 1969 und 1970 spielte er als junger amerikanischer Soldat bei der 33. US-Army-Band in Heidelberg und unterstützte die Dilsberger Musiker durch sein aktives, musikalisches Mitwirken.

Am Ende seiner Dienstzeit kehrte er nach Los Angeles zurück und da keine Adresse bekannt war, blieben auf beiden Seiten lediglich schöne Erinnerungen. Vor fünf Jahren entdeckte der Amerikaner im Internet dilsberg.de und die Mailadresse des Musikvereins, worauf sich ein reger Mailkontakt entwickelte. Nun besuchte er Dilsberg und stellte bewegt fest: „So viele Leute erinnern sich an mich, es ist unglaublich.“

                Fred McCall                          Reinhold Bauer                 Ming Huang          Sid Heyman                       Karin Greulich                               Margret Lawson

Fred McCall kehrte zusammen mit drei Musikern sowie zwei Begleiterinnen der „Deutsch-Amerikanische-Blaskapelle“ (DAB) aus Südkalifornien an seine alte Wirkungsstätte zurück. Gemeinsam verbringen sie 11 Tage auf dem Dilsberg und wie in früheren Zeiten unterstützen die amerikanischen Musiker ihre deutschen Kollegen bei Auftritten.

Das Halbjahresfest des Musikvereins stand ganz im Zeichen dieser ungewöhnlichen Freundschaft und begann mit einer Nachtwächterführung durch die historische Bergfeste. Obernachtwächter Erwin Lanzer stellte seine Mannen vor, bei denen Jürgen Maurer seinen ersten Dienstgang absolvierte. Nachtwächter Frans Hermans informierte kurzweilig über die ehemaligen Aufgaben der Männer mit ihren Hellebarden und Laternen sowie die Geschichte des Bergdorfes mit seiner jahrzehntelangen Wassernot.

An der katholischen Kirche bot sich ein traumhafter Blick auf Burg, Wasserturm und die Barockkirche, die auch von innen besichtigt werden konnte. Nach einem willkommenen Umtrunk bei Musikkamerad Werner Erles, dessen Enkel Jannik eifrig Nachtwächterkarten sammelte, führte der Weg am Dorfplatz vorbei zum Rathaus.

Hier stimmten die Nachtwächter ihr bekanntes Lied an „Hört, Ihr Leut, und lasst Euch sagen“ und am Fenster begrüßte „Chief of the Village“, Ortsvorsteher Bernhard Hoffmann, die Gäste. „Es ist eine besondere Freude, dass nach so langer Zeit diese Freundschaft wieder aufgelebt ist.“, hieß er sie willkommen und bat um einen Eintrag ins Goldene Buch. Bei seinem ersten Aufenthalt vor 40 Jahren erhielt Fred McCall den Rat, fahren sie auf den Dilsberg das sind unglaubliche Leute und noch heute schwärmt er über die Gemütlichkeit, die er hier fand.

So schrieb er voller Überzeugung: „The best people in the world are here.“ Seinen Zeilen schlossen sich der Vorsitzende des Musikvereins Reinhard Greulich, Reinhold Bauer, der zusammen mit Karin Greulich als Dolmetscher fungierte, sowie seine Lebensgefährtin Ming Huang und Sid Heyman mit ihrer Unterschrift an.

Auf dem Tuchbleichenplatz wartete bereits die große Musikerfamilie, die Reinhard Greulich zum Halbjahresfest – ein Dankeschön des Vereins an die Musiker, ihre Partner und die vielfältig geleistete Arbeit im Hintergrund – willkommen hieß. Erfreut stellte er ihnen die Ehrengäste Fred McCall, Reinhold Bauer, Bob Fox und Sid Heyman vor und begrüßte diverse Musiker aus benachbarten Gemeinden, die vor 40 Jahren mit Fred zusammengetroffen waren. Ein besonderer Gruß galt dem Ehrenvorsitzenden Werner Roth, den Ehrenmitgliedern, Ortsvorsteher Hoffmann und der Nachtwächterabordnung.

Ein kleines schwungvolles Platzkonzert, bei dem Dirigent Walter Nußko mal wieder selbst Trompete spielen durfte, eröffnete den Abend. In gemütlicher Runde saßen die Musiker zusammen und tauschten gemeinsame Erinnerungen aus. Zur Stärkung wartete in der Halle ein köstliches Salatbüfett und am Grill brutzelten Herbert Nußko und Mirko Kloß leckere Steaks und original Thüringer Würstchen.

Viel Spaß hatten die Musiker Peter Kick aus Gaiberg, Heinz Avancini aus Dossenheim, Josef Bertuzzi und Günter Döringer vom MV Dilsberg mit Fred McCall beim Betrachten alter Bilder: „Und jetzt rat mal, wo steh ich?“ Schmunzelnd erzählte der Gast, dass sein erstes deutsches Wort „Prost!“ lautete.

Verabschiedung Pfarrer Kirchmann Juni 1972 – Dirigent Peter Schwan

Reinhard Greulich fasste zusammen, wie der Kontakt mit Fred McCall zustande kam. Die Kapellen im Umkreis hatten 1969/70 zu wenig Musiker in ihren Reihen und der damalige Dirigent Peter Schwan guten Kontakt zu den US Musikern in Heidelberg, die gerne aushalfen. Als 2005 eine Mail eintraf, in der unter anderem stand, „Ich habe gute Erinnerungen an die Leute in Dilsberg und bin stolz Ehrenmitglied beim Musikverein zu sein.“, entwickelte sich ein reger Mailkontakt. Ein für 2007 geplanter Besuch fand aus familiären Gründen nicht statt und als 2009 seine Frau starb, entschloss sich der Musiker Pläne nicht mehr aufzuschieben und den Dilsberg zu besuchen. Unter großem Beifall überreichte der Vorsitzende Fred McCall für 40 Jahre passive Mitgliedschaft, die goldene Ehrennadel des Blasmusikverbands Rhein-Neckar und steckte seinen Musikerkollegen das Dilsberger Wappen an.

Ein Höhepunkt des Abends war die musikalische Einlage von Fred McCall auf der Native Flute, der traditionellen Flöte der nordamerikanischen Indianer. Die lebendigen und dynamischen Melodien sowie der Text „Der heilige Wind“, mit seiner großen Aussagekraft, fesselten die Zuhörer. Die Melodie „Der Geist von Cucamonga“ hatte noch keinen Text und als Werner Roth vor zwei Tagen das Stück zum ersten Mal hörte, versprach er einen passenden zu schreiben: „Ich habe den Ton gehört, mit einer Innigkeit und Intensität für seine Frau.“ Fasziniert lauschten die Gäste seinen Worten und voller Ergriffenheit dankte der Musiker für diesen gefühlvollen Text.

Noch lange saß die Musikerfamilie zusammen, spürte die Verbundenheit und freute sich über viele Gemeinsamkeiten. Reinhold Bauer, der bereits vor zwei Jahren den Dilsberg besuchte und dieses Treffen arrangierte, bekundete: „Ich hoffe, dass diese Beziehung noch wächst.“

 Der Geist von Cucamonga

Beim Erwachen mein erster Gedanke bist Du.
Ich nehme Dich auf, alles in mir nimmt Dich auf.
Du hast mich besetzt, ich liebe Dich.
Deine Augen sprechen für Deinen Mund.
Gespeichert habe ich jedes Wort,
doch Du flogst einfach fort.
Mit dem letzten Flügelschlag entgleitete mir,
was ich glaubte für immer zu besitzen.
Noch heute spüre ich den Samt Deiner Hände,
dann hat Dich Manitu genommen, ohne mich zu
fragen. Monate danach füllt Dein Geruch Dein
Zimmer aus. An all meinen Erinnerungen suche
ich mich festzuhalten und finde nur schwerlich Halt.
Meine Sehnsucht nach Dir ist unbeschreiblich.
Wir haben uns verlassen, doch ich weiß wir sehen
uns auf der anderen Seite der Erde wieder.

Cucamonga ist eine Stadt im US-Bundesstaat Kalifornien, aus der Fred McCalls verstorbene Frau stammt. Sie war eine Halbindianerin und die Indianerflöte mit ihren magischen sowie beruhigenden Tönen verbindet ihn auf besondere Weise mit ihr. Diese Melodie widmete er ihrem Geist und ließ seine Gefühle, seine Sehnsucht auf der Native Flute erklingen. Jeder der es hörte konnte spüren, sie muss etwas ganz Besonderes gewesen sein. Einer hat es auf jeden Fall so empfunden, Werner Roth, dessen Worte Emotionen wecken, die mit der Melodie zu einer Symbiose verschmelzen.

Text: boe
Bilder: boe, Ursula Nußko

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